GIRLTALK · Die Pille danach #nurwennicheswill

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Als wir die Anfrage bekamen ein Teil der #nurwennicheswill Bewegung zu werden, verfielen wir drei sofort in eine angeregte Diskussion über das Thema Sexualität, unsere Teeniezeiten und Verhütungspannen. Die Kampagne steht unter dem Motto: Your Body, Your Rules! Hier geht es vor allem darum auf die weibliche Selbstbestimmung aufmerksam zu machen. Gerade bei jungen Mädchen, die anfangen, sich mit dem Thema Verhütung und Sexualität auseinanderzusetzen. Küssen? Anfassen? Sex? Nur wenn ich es will.

Unsere Eltern haben uns schon früh beigebracht etwas nur zu tun, wenn das für uns absolut ok ist. Doch leider ist man nicht vor allem bewahrt. Trotz bester Aufklärung und nur wenn wir es wollen, kann beim Geschlechtsverkehr auch mal etwas schiefgehen. Eine potenzielle Schwangerschaft die Folge sein, doch was nun?

Viele junge Frauen sind mit dem Thema erstmal überfordert und geraten in Panik, wenn das Kondom reisst, oder ein Einnahmefehler bei Pille und Co. passiert ist. Durch die Pille danach können ungewollte Schwangerschaften in den meisten Fällen verhindert werden und bietet uns Frauen eine Art “Sicherheitnetz”, falls es im Fall der Fälle, doch zu einer Panne kommt.

Auch wir haben unsere Erfahrungen mit der Pille danach gemacht. Sei es persönlich oder als seelische Stütze bei betroffenen Freundinnen. Uns war wichtig, dass wir ein bisschen dazu beitragen können, dass mehr Bewusstsein geschaffen wird und wir vielleicht den Teenies von heute die Angst davor nehmen. Die Pille danach ist eine gute Lösung, die aber keinesfalls zur Gewohnheit werden sollte.

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Luisina

Als ich meinen ersten richtigen Freund mit 16 hatte, war das Thema Sex für uns beide Neuland und wie es so ist, wenn man jung und horny ist, konnten wir auch im Schullager nicht wirklich die Finger voneinander lassen und verzogen uns heimlich in die Duschen. Damals nahm ich zwar schon die Pille, aber erst seit ein paar Tagen, weshalb ohne Kondom bei mir gar nichts ging. Im Eifer des Gefechts riss uns das Kondom, aber keiner von uns bemerkte es, denn unter der Dusche und mit dem Schalk im Nacken, waren wir nicht sehr vorsichtig. Erst am nächsten Tag, als ich Zuhause ein Bad nahm, sah ich ein kleines, rotes Stück Latex im Badewasser schwimmen. Mir ist sofort das Herz in – naja – auch das Badewasser gerutscht. Ich war in heller Panik und rief sofort bei meiner Frauenärztin an, die mich sofort zu sich bestellte. Die Spitze des Kondoms in ein Stück Klopapier verpackt als Beweisstück in der Jackentasche, rannte ich zu ihr. Sie examinierte Objekt A genau und sagte mit ihrem indischen Akzent: “Ja. Das ist die Spitze.” Sie erklärte mir, dass es aufgrund des Zeitpunktes meines Zyklus sehr unwahrscheinlich sei schwanger zu werden. Da aber der Zeitpunkt des Eisprung bei jeder Frau individuell anders ist, verschrieb sie mir die “Pille danach”. Mit der Packung auf dem Tisch, saß ich kurz darauf mit zwei Freundinnen davor und traute mich vor Angst nicht sie zu einzunehmen. Ich hatte, wie viele Teenager, einige Horrorstories darüber gehört, wie es Mädchen nach der Einnahme ergangen war. Von tagelangem Kotzen, über Migräneanfälle bis hin zu Krämpfen und Blutungen des Todes war die Rede. Aber der Gedanke daran, eine Teeniemom zu sein und vielleicht sogar ein RTL II Kamerateam vor der Tür stehen zu haben, die mich zu dem Thema interviewten, waren definitiv das größere Übel. Ich nahm sie mit viel Wasser ein und wartete. Es passierte rein gar nichts. Keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit, keine unregelmäßige Blutungen. An dieser Stelle muss ich aber nochmal ganz deutlich sagen: Jeder Körper ist anders! Jeder Körper ist individuell und steckt Hormone und Medikamente auf ganz andere Art und Weise weg.

Ich bin mittlerweile ein ziemlicher Hormongegner, was das Verhüten angeht. Einfach, weil ich meine eigenen Erfahrungen damit gemacht habe und jetzt mit fast 30 erst sehe, was das mit meinem Körper auf die Jahre hinweg angestellt hat. Muss aber jede für sich entscheiden.

Ich muss aber auch sagen, dass ich sehr froh darüber bin, dass es eine Lösung wie die “Pille danach” gibt. Heute wäre es mit meinem jetzigen Partner keinesfalls das Ende der Welt, wenn ich nach einem Verhütungsunfall schwanger wäre. Erstens ist es das Alter – 30 vs. 16 – und zweitens führen wir eine viel gefestigtere Beziehung, als ich damals mit meiner Jugendliebe. Sollte es dazu kommen, dass verhütungstechnisch etwas gewaltig schiefgeht, würde ich mich dennoch ziemlich sicher wieder für die “Pille danach” entscheiden, denn der Kinderwunsch ist bei uns beiden noch nicht da.

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Yannah 

Ich erinnere mich an den panischen Sonntags-Anruf meiner Freundin, als wir so etwa 16 waren, in dem sie mir mitteilte, dass wir uns SOFORT am Klinikum treffen müssten. Ihr sei da ein kleines Malheur passiert. Ich saß schon mit einem Bein bei meinen Eltern im Auto, auf dem Weg zu meiner Patentante. Improvisierte Überzeugungsarbeit war also gefragt – schnell! Ein paar “X gehts nicht gut, wir müssen uns jetzt SOFORT treffen, mehr kann ich nicht sagen” später fanden wir uns also am Klinikum Essen ein, auf der Suche nach der Gynäkologie. Da X schon durch besagtes Malheur verunsichert genug war, übernahm ich das Sprechen.

Ich also, flüsternd: “Entschuldigung, wo kriegen wir hier die “Pille danach”?”

Frau am Schalter: “Die was?”

Ich, etwas lauter zischend: “Die Pille danaaaach…”

Sie, so laut, dass es wohl auch der letzte Patient draußen im Raucherbereich gehört haben müsste: “Ach, die Pille danach!!!! Ja da bitte einmal rechts entlang zu den Aufzügen, dritte Etage wieder rechts.”

Merci beaucoup, Frau Indiskret.

Freundin X bekam ihre Pille Danach und wir machten uns gemeinsam auf den Weg zu ihr nach Hause, weil die Ärztin dringlich betonte, dass sie jetzt nicht alleine sein dürfte, falls sie etwas nicht verträgt. Gott sei Dank hatte Doktor Yannah die Tagespläne ohnehin gecancelt, sodass ich mich den Rest den Tages um meine Patientin kümmern konnte, der es, bis auf monströs schlechte Haut, die die Tage darauf folgten, relativ gut ging. Immerhin hatten wir ihrer potentiellen Teenie-Mutterschaft noch im letzten Moment den Garaus gemacht.

Gott sei Dank bekommt man die Pille Danach heute in der Apotheke und spart sich diese Prozedur, insbesondere an Sonntagen, die vermutlich dank beschwipsten Samstagen der Verkaufstag der Woche ist, erstmal in ein Krankenhaus fahren zu müssen etc. Eine gute Notlösung, wobei es mir wichtig ist, dass sie auch als solches benutzt wird. Als eine Notlösung, die keinesfalls zur Regel werden oder klassische Verhütung gar ersetzen sollte.

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Sara 

Ich habe mir die „Pille danach“ einmal geholt, und zwar ganz klassisch. Sonntags morgens, verkatert in der Notaufnahme eines Kölner Krankenhauses. Nach entspannten 3 Stunden Wartezeit habe ich ein Rezept bekommen, das ich auch noch bezahlen durfte. Damit dann mit dem Taxi in die Notapotheke, wo ich es einlösen konnte und wieder dafür blechen musste. Als Frau ist man es ja fast schon gewohnt, dass man irgendwie immer dafür zahlen muss, weiblich zu sein (Pille, Tampons – you name it) aber Spaß machen tut das nicht.

Gott sei Dank bekommt man die ‚Pille danach‘ mittlerweile Rezeptfrei also könnt ihr ruhig auch mal den Jungen losschicken und euch währenddessen in Ruhe einen grünen Tee reinziehen.
Gerade ist in Köln die Karnevalszeit angebrochen. Wer schon Mal dort war, weiß was das bedeutet. Batman und Rotkäppchen zischen sich erst ganz viele Kölsch rein und schieben dann eine Nummer im nächsten Hauseingang. Es herrscht Ausnahmezustand und ich wette die Apotheker haben für diese Zeit eine extra große Pillenbestellung in ihrem Arzneischrank verstaut.

Apropos ‚Ausnahme‘ – genau das sollte die ‚Pille danach‘ bleiben. Sie enthält eben doch ein paar Hormone, die ein paar Tage lang durch deinen Körper wirbeln. Kopfschmerzen, Blutungen und Stimmungsschwankungen sind mögliche Nebenwirkungen, die aber bei den modernen, niedriger dosierten Präparaten seltener auftreten als dies früher der Fall war. Allerdings ist sie auch eine super Sache, denn sie gibt uns die Chance selbst zu bestimmen wie unser Leben weitergeht, auch wenn wir mal eine Dummheit begangen haben oder ein Unfall passiert ist. Am sichersten wirkt sie, wenn sie sobald wie möglich nach der Verhütungspanne eingenommen wird. Denn so sieht’s aus Mädels. Ich werde schwanger #nurwennicheswill.

Alles zum Thema rund um die Pille danach (Einnahme, Nebenwirkungen, Kosten) findet ihr hier.

Photography by Greg Raines, Josh Felise , Maria Victoria Heredia Reyes & Nathan Walker via unsplash 

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