Review · Women Deliver Conference 2016 in Copenhagen

Between_Cities_Women_Deliver_Conference

Nach ein paar sehr busy Tagen komme ich endlich mal dazu, euch von meinem Trip nach Kopenhagen zur Women Deliver Conference zu erzählen.

Am Montag den 16.05. ging es schon um 04:30 Uhr los Richtung Züricher Flughafen. Ich hatte mir nämlich einen extra frühen Flug rausgesucht, um die Stadt in Ruhe erkunden zu können. Daraus wurde nur leider nichts, denn mein Körper meinte genau an diesem Tag die “rote Tante” vorbei schicken zu müssen, weshalb ich von 10:00 Uhr morgens bis zum gemeinsamen Dinner mit den anderen Teilnehmerinnen der Konferenz um 20:00 Uhr, mit Horrorkrämpfen im Bett des schönen St. Petri Hotels lag. So reichte es nur für einen kurzen Besuch bei der Apotheke (Hallo, Painkiller) und der lokalen Pizzeria. Von der wunderschönen Stadt bekam ich leider nicht viel zu Gesicht.

Beim Abendessen lernte ich dann meine fellow Blogger Girls, Diana von Sintimate, Mia von Alabastermädchen und Diana von I need sunshine, kennen. Mit dabei waren auch noch richtig nette Mädels aus TV und Print. Wir führten viele tolle Gespräche, die mich glücklicherweise von meinen Krämpfen ablenkten.

Processed with VSCO with hb1 presetProcessed with VSCO with a6 preset

Am nächsten Morgen ging es dann endlich los zur Women Deliver Conference im Bella Center. Die Hallen waren groß, lichtdurchflutet und mit vielen Kunstpflanzen bestückt. Unser erster Programmpunkt war der von Bayer gesponserte Talk My rights, my life, my future: Young people and contraception.  Zu Wort kamen Ambassadors aus Medizin und diversen Organisationen, die auf den problematischen Zugang zu Verhütungsmitteln von jungen Menschen in Entwicklungsländern eingingen. Besonders schwierig sind hier, neben den hohen Kosten, fehlende Aufklärung und mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter.

Between_Cities_Women_Deliver_Conference_35

Die Frage ist, wie man diese Probleme aufgreifen kann, damit junge Frauen und Männer in Entwicklungsländern auch ein Recht auf individuelle Familienplanung haben? Zwangsheirat und, so schockierend es ist, auch im Jahr 2016 ist die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Kindern (!) leider traurige Realität. Ein Zustand, der mir die Tränen in die Augen schieß.

Aber zurück zur Frage, wie man das alles in den Griff bekommen kann: Khadija Sinanan, eine Botschafterin des World Contraception Day Ambassadors Project, setzt sich dafür ein, die Stimmen zu vertreten, die normalerweise nicht vertreten werden. Gemeint sind damit jungen Menschen, die durch Kultur, Religion und Traditionen unterdrückt werden, das auszusprechen, was sie sich wünschen oder nicht möchten.

Sie ist davon überzeugt, dass durch diese Jugendbewegung, in der immer mehr solcher “Stimmen” zusammenkommen, das Bewusstsein zu Meinungsfreiheit und Geschlechtergleichheit erfolgreich an die Menschen gebracht wird, die darunter leiden. In vielen Ländern ist es noch den Brauch, dass der Ehepartner beziehungsweise die Familie (meist der Vater) entscheidet, ob die Frau überhaupt verhüten darf. Obwohl die Betroffene vielleicht also gar keine Kinder zu dem Zeitpunkt haben möchte, wird sie dazu gezwungen. Hieraus resultiert wiederum ein neues Problem: laienhaft durchgeführte Abtreibungen.

Ich war geschockt, als ich hörte, dass die Nummer 1 Sterbeursache in Entwicklungsländern bei Frauen, die Geburt oder eben falsch durchgeführten Abtreibungen sind, für die sie sich heimlich entschieden haben. Megan Elliot, Vizepräsidentin von Marie Stopes Intl., gab uns Einblicke in die Herausforderungen, denen die Jugendlichen bei Themen wie Verhütung, Sexualität und Abtreibung gegenüberstehen. Es gibt kaum Programme, die es ihnen ermöglichen, sich gründlich darüber zu informieren, was es für Verhütungsmethoden gibt, welche Alternativen sie haben und wo sie am besten aufgeklärt werden.

“This whole subject is not only a matter of sexuality and birth control, it’s also a matter of globalisation and how we can all make a change towards ending poverty”  – Megan Elliot, VP Marie Stopes Intl.

Für mich hat das alles einen gemeinsamen Nenner und vielleicht ist das auch nur meine persönliche Meinung, aber um so ein schwerwiegendes Problem beim Schopf zu packen, muss man da nicht erst das Recht auf Bildung in gerade diesen Ländern etablieren? Aber wie fördert man ausreichende Bildung vor dem Hintergrund großer materieller Armut? Ein Mensch, der in solch einer Armut lebt, die wir uns nicht mal im Geringsten ausmalen können, steht mit dem Rücken zu Wand. Ein Mensch, der mit dem Rücken zur Wand steht, tut was er kann um zu überleben und in den meisten Fällen ist dies Arbeiten statt Schule.

Optimal wäre es natürlich, wenn weltweit das Recht auf Bildung ermöglicht werden könnte und junge Menschen daran beteiligt werden, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, gerade was das Thema Sexualität angeht. Das funktioniert nur, wenn ihre Entscheidungen selbstbestimmt getroffen und respektiert statt verurteilt werden.

Zusammenfassend kann ich euch sagen, dass die “Keymessage” hinter all den Ansprachen ganz klar eine war: Aufklärung! Und zwar nicht nur seitens der Regierung, Eltern und Bildungssystemen, sondern auch seitens Gesundheitsdienstleistern, unter Einbezug der Jugendlichen.

Das alte Wertebild, in dem  Sexualität als etwas “schmutziges” oder “peinliches” gilt, muss revidiert werden.  Der neue Fokus heißt aufklären. Über Frauenrechte, über Fortpflanzung und all dies unter Einbezug der persönlichen Geschichten, mit Respekt zur individuellen Kultur.

Hierzu macht es Sinn sich einen “Vertreter” an Bord holen, der mit den lokalen Bräuchen vertraut ist um somit eine bessere Rückmeldung zu erfahren. Ja, es hört sich an wie Missionsarbeit, aber es geht darum, jungen Mädchen eine schmerzfreie und schöne Zukunft ermöglichen zu können.

Ich sehe dem Ganzen positiv entgegen und finde es wahnsinnig toll, wieviele Youth Ambassadors sich dieser Aufgabe angenommen haben um etwas zum Positiven hin zu verändern.

Zwar war die Thematik der Konferenz auf Entwicklungsländer ausgerichtet, doch auch ich war erstaunt, wie beschränkt mein eigenes Wissen und das vieler anderer jungen Leute, über das komplexe Verhütungsthema ist. Spätestens nach unserem gemeinsamen Abendprogramm bei Timm Vladimirs Køkken, bei dem uns beim leckeren Dill Sour Aperitif und super gesunden Häppchen, ein kleines Video von LiebeSleben gezeigt wurde, bei dem Studenten der Uni Köln zum Thema Verhütungsmethoden befragt wurden. Die Mehrheit nannten die Top drei: Pille, Kondom, Spirale aber danach hörte es bei den Meisten auf.

Processed with VSCO with hb1 preset

Und was sagt uns das? Hierzulande herrscht ebenfalls ordentlich Aufklärungsbedarf! Und jetzt mal die Ohren spitzen, ihr lieben Frauenärzte da draußen. Ich will euch nicht alle über einen Kamm scheren, aber ich bin oft umgezogen und war demnach schon bei einigen von euch und wurde bei 90% nicht anständig informiert. Um das Verhütungsthema in den Griff zu bekommen, plädiere ich auf Transparenz beim Frauenarzt. Ich will wissen, woran ich bin, ich will mich verstehen können. Nicht einfach irgendeine Pille verschrieben bekommen, die laut meinem Hormonhaushalt gar nicht zu mir passt. Um diesen Hormonspiegel messen zu können, müssen Hormontests und Bluttests durchgeführt werden. Auch etwas, was mir kein Frauenarzt von sich aus angeboten hat. Ich musste darauf bestehen und monatelang auf einen Termin beim Endokrinologen warten.

Es gibt genug hormonfreie Verhütungsmethoden, die genauso sicher sind, aber kaum unterstützt werden, denn obwohl Medikamente, wie die Pille, gerne mal “verharmlost” werden, sind es Hormonbomben, die uns Frauen verändern. Es ist einfach die Augen zu verschließen und zu sagen, dass Fälle wie Lungenembolien, Thrombose und Schlaganfälle “Einzelfälle” sind, aber das macht es keineswegs besser. Das Risiko ist immer da, auch bei gesunden Frauen.

Jeder Körper ist anders, jeder verträgt Medikamente anders und da muss einfach Seitens der Pharmaindustrien und der Mediziner mit absoluter Transparenz gearbeitet werden.

Nachdem ich jetzt ein bisschen abgeschweift bin und aus einem Review Post jetzt doch ein etwas längerer Beitrag wurde, halte ich mich ab jetzt kurz. Versprochen :)

Ich sage es immer wieder zu meinen Freunden: hätte ich die Möglichkeit meinen Beruf neu zu wählen, würde ich eine Kochausbildung machen, Kochbücher schreiben und Jamie Oliver vom Thron stoßen (so die Theorie). Deshalb war ich unfassbar happy darüber, dass wir gemeinsam mit der überaus coolen Köchin und Fotografin Mia von CPH Good Food unser Abendessen selber zubereiten durften. Und zwar Scandi Style!

Processed with VSCO with hb1 presetProcessed with VSCO with hb1 presetProcessed with VSCO with hb1 presetProcessed with VSCO with hb1 preset

Am nächsten Tag sammelten wir noch ein paar Eindrücke von der Konferenz, bevor es dann zur Abendveranstaltung in die Tivoli Gardens ging. Ein Freizeitpark mitten in der Innenstadt!

Processed with VSCO with hb2 presetProcessed with VSCO with g3 preset Processed with VSCO with g3 presetProcessed with VSCO with a6 preset

Der Donnerstag war dann auch schon mein Abreisetag. Diana von Sintimate und ich hatten uns schlauerweise einen späten Flug buchen lassen, um noch so viel wie möglich von der Stadt sehen zu können. Also machten wir uns gemeinsam auf die Socken und aus einer kleinen Runde wurde ein stundenlanger Spaziergang durch GANZ Kopenhagen. Kein Witz. Wir haben gefühlt jede Ecke der Stadt gesehen und es war wirklich toll!

Processed with VSCO with hb2 presetProcessed with VSCO with a6 preset

Processed with VSCO with hb1 preset

Processed with VSCO with hb2 preset

Processed with VSCO with hb2 preset

Es war ein toller Trip nach Dänemark, mit vielen Eindrücken und einem super Team. Ich kann Kopenhagen auch wärmstens als Reiseziel empfehlen. Die Stadt ist stylisch, nicht zu groß, hat wunderbare Ecken, ist sauber und die Menschen sind unglaublich freundlich. Tusen Takk København! <3

 

 

  • Share:

2 Comments

  • Antworten Juni 12, 2016

    I need sunshine

    Wow, so viele tolle Bilder! Ein wirklich schöner Rückblick. Hat mich sehr gefreut dich kennen zu lernen.

    Liebe Grüße,
    Diana

    • Antworten Juni 13, 2016

      Luisina

      Danke liebe Diana :) Hoffe, dass wir uns bald wiedersehen!

Leave a Reply