Movietime · Drei Oscar nominierte Filme im Check

Am 27. Februar ist es wieder soweit: Die Academy Awards werden zum 89. Mal in Hollywood verliehen und irgendwie hat Leo auch dieses Jahr vergessen mich als sein Plus 1 anzugeben, oder die Einladung ist mal wieder verloren gegangen. Naja, wie dem auch sei, es blieb mir nichts anderes übrig, als die für den Oscar nominierten Filme mir vorab mit viel Popcorn und Weißwein anzusehen. Besser als nichts und der Wein hat geholfen über den Korb hinwegzukommen.

Hier sind sie: Die drei Filme, die es mir aus allen Nominierten am meisten angetan haben und ich mit Garantie sagen kann, dass ich sie mir mit Sicherheit noch ein paar mal ansehen werde. Ich versuche die Beschreibungen für euch so spoilerfrei wie möglich zu halten. Es gibt doch nichts schlimmeres als zu viel Infos vorab zu bekommen.

Arrival

Auf ein Wort mit den Aliens

Also wenn das mal nicht der beste Alien Invasions Film ist, den ich je gesehen habe! Anders als bei Alien Klassikern wie Independence Day, ist Arrival, von Regisseur Denis Villeneuve, nicht voller kriegerischer Action und supermodernen extraterrestrisches Leben zerstörenden Laserwaffen, sondern wiegt uns eine Stunde und 58 Minuten lang im Science Fiction Himmel. Ich bin nicht nur ein Linguistik-Geek, sondern hege eine große Leidenschaft für alles, was mit dem Weltall und unserem Universum zu tun hat. Als ich dann den ersten Trailer wie Amy Adams  (diese Frau hat gerade echt einen Lauf und das finde ich ganz fabelhaft!) versucht die Sprache der Aliens zu entschlüsseln, war ich am Haken und ich konnte es wirklich nicht erwarten den Film endlich zu sehen!

Amy Adams spielt die renommierte Linguistin Dr. Louise Banks, die an einer Universität lehrt und ein ziemlich abgeschiedenes Privatleben führt. Ziemlich eintönig mag man glauben, bis eines schönen Tages auf der ganzen Welt verteilt zwölf ovale Monolithen landen. Kurz darauf steht ein Leutnant des Militärs (Forest Whitaker) vor ihrer Haustür und bittet sie mit den Aliens zu kommunizieren. Den großen Weltregierungen brennt nämlich eine Frage ganz gewaltig unter den Nägeln: Was zur Hölle wollen sie auf der Erde? Etwa Krieg mit uns anfangen?

Louise wird der Physiker Ian Donnelly zugeteilt. Sie und Ian sollen mithilfe eines ausgeklügeltem Systems mit den Außerirdischen sprechen und ihre antworten entschlüsseln. Immer wieder wird sie von “Erinnerungen” heimgesucht, die wie Flashbacks aufblitzen, vor allem, wenn sie sich gerade intensiv mit den Wesen auseinandergesetzt hat.

In dem Film geht es nicht nur um außerirdisches Leben, sondern um Kommunikation, der Umgang mit dem Unbekannten, die Angst davor und die Bedeutung von Zeit. Wie wir unsere lineare Zeit wahrnehmen und was wir mit ihr anfangen. Dr. Banks bewegt sich zwischen Angst und Faszination, aber nie zu emotional. Vielleicht weil sie schon immer einen Draht zu einer anderen Zeit hatte. Amy Adams verleiht ihrer Figur nicht nur Anmut, sondern auch eine gewisse Melancholie, die mich den ganzen Film über in ihren Bann gezogen hat. Ich glaube ich habe den ganzen Film über kaum geblinkt.

Am meisten faszinieren mich die Fragen, die dieser Film in mir aufwirft wie zum Beispiel: was würden wir mit einer anderen “Zeitstruktur” anfangen? Was ist wenn Zeit nicht mehr linear wäre und wie inwiefern könnten wir diese beeinflussen? Arrival ist wunderbar verwirrend, wenngleich auch wunderbar logisch.

Nominiert für: Best Picture, Best Director, Best Adapted Screenplay, Best Cinematography, Best Editing, Best Sound Editing, Best Sound Mixing, Best Production Design,

 

Nocturnal Animals

Das Schöne, das Grausame und die Rache

Das ist er! Der zweite, durchaus hochgelobte Streifen von Designer und Parfumgott Tom Ford, nach „A Single Man“. Ich hatte hohe Erwartungen an den Regisseur, die Set-Designer und dem Produktionsteam. Ich kann nur sagen: ich wurde nicht enttäuscht.

Nocturnal Animals ist eine Geschichte in der Geschichte und basiert auf dem Buch von 1993 „Tony and Susan“ von Austin Wight. Er erzählt die Geschichte von Susan, einer erfolgreichen Kuratorin, die ganz unerwartet eines Tages ein Manuskript mit dem Namen “Nocturnal Animals” vor der Haustür ihrer traumhaft schönen Villa in L.A. vorfindet. Geschrieben ist das Manuskript von ihrem Ex-Mann Edward, zu dem sie seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr hat. Edward widmet Susan das Buch, denn sie war auch bei seinem ersten Roman, die Inspiration. Susan ist eher der unromantische Typ, die nach unzähligen Gehirnwäschen ihrer Mutter während der Ehe anfängt auf Geld und gesellschaftliches Ansehen Wert zu legen. Edward ist das komplette Gegenteil, ist ein Romantiker und gibt seinen Glauben an sein Schriftsteller Dasein nie auf.

Der Film verfolgt drei Geschichten: Susan, die das Manuskript am liebsten an einem Stück lesen würde, es aber durch ihren stressigen Job nur schafft, wenn sie Zuhause Ruhe findet. Außerdem lernen wir die Protagonisten im Buch kennen und verfolgen wie sie auf eine Reise gehen, die eine große Tragödie mit sich zieht. Die dritte Geschichte besteht aus Flashbacks zu der Zeit als Edward und Susan sich kennenlernten und ihre Ehejahre.

Als Danny wurde Jake Gyllenhaal gecastet, der meiner Meinung nach seinen Job toll gemacht hat und das „Weichei“, den Träumer, den Susan immer an ihrem Mann in den letzten Jahren Ehe kritisiert hat, sehr gut darstellt. So erfolgreich, dass er ein paar Sexyness-Punkte bei mir büßen musste. Die darf er gerne als Astronaut in “Life” wieder aufholen. Amy Adams übernimmt die Rolle der Susan und verleiht ihr die perfekte Kühle, Arroganz und Verwundbarkeit. Die besten Performances lieferten meiner Meinung nach aber nicht die zwei Hauptdarsteller, sondern definitiv Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson. Aber seht am besten selbst!

Nominiert für: Best Actor In A Supporting Role (Michael Shannon)

 

Jackie

Die private und die öffentliche First Lady

Oh Natalie Portman, du talentierte Frau! Für die Rolle als Jaqueline Kennedy hat sie nämlich so ziemlich ALLES getan, damit sie der echten Jackie so ähnlich wie möglich ist. Hierfür eignete sie sich von Stimme, über Akzent bis hin zu Mimik und Gestik alles an. Heraus kam ein wunderbarer First-Lady-und-Style-Ikone Klon, der hoffentlich mit einem Oscar für Portman belohnt wird.

Jackie handelt nicht nur von der Person selbst, sondern auch wie die Öffentlichkeit die Ehefrau von John F. Kennedy wahrgenommen hat. Sie wirkte stets makellos, stark, als hätte sie ihr Leben und das ihrer Familie voll im Griff. Pablo Larraín zeigt uns eine andere Seite von ihr. Eine kühle, teilweise auch eine etwas biestige Seite, die sie aber nie an die Öffentlichkeit trug. Der Film zeigt, nur eine Woche nach John’s Ermordung, wie Jackie ihre Geschichte dem Reporter John H. White für das Life Magazin in ihrem Sommerhaus schildert. Dass sie nicht bei bester Laune ist, ist ja verständlich, nachdem ihr Mann neben ihr in einem fahrenden Auto erschossen wurde und sie seinen halb offenen Kopf auf ihrem Schoß bis ins nächste Krankenhaus zusammenhielt.

Jackie Kennedy war für die Nation ein Symbol von Hoffnung und Zusammenhalt, während ihr eigenes Leben völlig zerstört wurde. Ihre Pflicht als First Lady und Mutter, gaben ihr kaum Zeit um ihren Mann zu trauern, denn sie musste funktionieren. Für ihre Kinder und für die Millionen Augen, die nach der Tragödie auf sie gerichtet waren.

Nominiert für: Best Actor In A Lead Role, Best Original Score, Best Costume Design

 

Photography by Mario Calvo via Unsplash

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