MOVIETIME · Life – Ab heute im Kino!

Warum genau mich Alien-Filme so faszinieren, liegt glaube ich einfach daran, dass ich ein kleiner Space-Nerd bin. Insgeheim wünsche ich mir außerirdisches Leben. Ich glaube, dass es der Menschheit gut tun würde, von ihrem hohen Ross zu steigen und sich nicht länger wie die intelligenteste Rasse des Universums zu fühlen. Die gesellschaftliche sowie politischen Probleme würden weit in den Hintergrund rücken, weil alles was wir dachten zu kennen, komplett auf den Kopf gestellt werden würde. Wir müssten uns anpassen und uns bemühen ohne Vorurteile und Angst der neuen Lebensform entgegenzutreten. Ich war vorab für euch im Kino und habe mir den dritten Weltraumfilm (nach Arrival und Passengers) des Jahres angesehen.

Life spielt in der nachgebauten internationalen Raumstation ISS, auf der anfangs unbeschwerte Stimmung unter den sechs Besatzungsmitgliedern (Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Hiroyuki Sanada, Ariyon Bakare und Olga Dihovichnaya) herrscht. Die Crew ist eine Mischung aus Wissenschaftlern und Astronauten, die auf der “Mars Pilgrim Mission 7″, in nicht allzu ferner Zukunft, den Auftrag hat Bodenproben vom Mars auf Leben zu untersuchen. Durch eine mühelos wirkende und sanft getaktete Kameraführung begleiten wir die ersten Minuten in der ISS in völliger Schwerelosigkeit. Gerne auch mal auf dem Kopf.

Die Sonde mit den Proben liefert Hoffnung auf eine der ungeklärtesten Fragen der Menschheit, als Dr. Hugh Derry (Ariyon Bakare) sich daran macht, einen winzigen Mikroorganismus zu untersuchen. Gibt es Leben außerhalb der Erde? Dank der Zufuhr von Glucose und künstlicher Anpassungen der Atmosphäre im Brutkasten, erlöst ein kleines Zucken des Organismus die gespannte Stimmung. Der Beweis ist da! Allerdings weiß die Crew nicht, dass die Glucose in diesem Fall ihr Leben nicht versüßen wird. Im Gegenteil. Mit rasender Geschwindigkeit vermehren sich die Zellen, bis schließlich ein kleines Lebewesen, das an eine transparente Seestern-Magnolie erinnert, entsteht und anfängt auf Handbewegungen seines Ziehvaters zu reagieren. Der Alien bekommt sogar einen Namen: Welcome, Calvin! Ryan Reynolds alias Rory Adams bringt dank der Deadpool Autoren Rhett Reese und Paul Wernick seinen Superhelden Charme mit in die Raumstation. Er ist der entspannte Realist mit einer guten Prise Ironie. Calvin verschafft sich nach einem Kräftemessen mit Dr. Derry dummerweise durch dessen Handschuh Freiheit und schon nimmt das blutige Unheil seinen Lauf.

Immer wieder ist nichts als Stille zu hören. Ein schöner Effekt, der uns ab und zu ein kurze Verschnaufpause gibt, bevor wir den Überlebenskampf Mensch vs. Alien bis zum bitteren Ende verfolgen.

Daniel Espinosa (Safe House) entführt uns in eine kleine, abgekapselte Welt, die weit weg von unserer, sich mit evolutionären Fragen auseinandersetzt. Als Zuschauer, gewährt man uns Einblick auf diese Fragen, auf die selbst NASA Wissenschaftler nicht wirklich eine Antwort haben. Wie ist es möglich, dass aus einem Einzeller ein rasant wachsendes Geschöpf wird, dass an Intelligenz und Kraft, mit jeder Filmsekunde die verstreicht, gewinnt? Woran liegt es, dass es sich unseren essentiellen Lebensbedingungen anpasst und wie wir Menschen, Wasser, Luft und Nahrung (hier in Form von Menschenfleisch und -Blut) zum Überleben braucht? Hat es anderes Leben auf dem Mars gegeben und ist Calvin der Grund für das Aussterben?

Vielleicht sollten wir uns lieber in erster Linie fragen, warum es uns angreift, denn ein kleines Detail, könnte sich unser kleiner Magnolienfreund gemerkt haben. Als er durch Druckabfall im Brutkasten in einen Schockschlaf verfällt, setzt Dr. Hugh alles daran, ihn mit einem kleinen Defibrillator zurück ins Leben zu holen. Dies ist nämlich der Wendepunkt im Film.

Also, wünsche ich mir noch immer außerirdisches Leben, wenn es eins wie das in Life ist? In der Form natürlich nicht, aber vielleicht liegt es einfach daran, dass die Crew durch das Zufügen von Schmerzen ihre eigene Suppe auslöffeln und eine harte Lektion in Sachen “wie du mir, so ich dir” lernen musste.

Fazit

Ich persönlich hätte mich darüber gefreut, wenn der Humor, der im ersten Teil von Life deutlich zu spüren war, länger präsent gewesen wäre. Olga Dihovichnaya sieht aus wie die ausgewachsene Version von Millie Bobbie Brown und obwohl eine gewisse Spannung zwischen den Charakteren von Jake Gyllenhaal und Rebecca Ferguson zu spüren war, war ich heilfroh, dass es bei diesem Streifen keine Romantik gab. Für die hätte es nämlich zwischen all den Kursänderungen, Schwerelosigkeit, Selbstschutzmaßnahmen und Blut keinen Platz gegeben.

Ab heute in Deutschen Kinos!

 

Photography by Rodion Kutsaev via unsplash

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